Gartenbewässerung bei Trockenheit - Klimawandel im Garten

Tipps zur Gartenbewässerung und -gestaltung bei starker Trockenheit

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Interview mit Natur-im-Garten Expertin Katja Batakovic

Dieses Jahr ist es in unseren Breitengraden extrem trocken, das macht sich bereits im Garten und auf dem Balkon bemerkbar. Es regnet extrem selten und wenn, dann recht unergiebig. Das stellt uns vor die Probleme: wie gieße ich meinen Garten und meine Pflanzen richtig? Wie bewässere ich nachhaltig und umweltfreundlich? Was gibt es für Tipps bei der Bepflanzung?

Diesen Fragen gehe ich im Interview mit Katja Batakovic, fachliche Leiterin bei Natur im Garten, nach. Hier kannst du dir das Interview als Video ansehen, weiter unten kannst du es in Textform nachlesen.

Wie kommt diese derzeitige Trockenheit zustande?

Katja: Das ist ein Zeichen des Klimawandels. Die mikroklimatischen Bedingungen verändern sich: die Pflanzen haben es mit veränderten Temperaturen zu tun, der Frühling beginnt eher und geht schneller in den Sommer über, Sommer und Herbst dauern länger, vom Winter bleibt nicht mehr viel übrig. Trotzdem gibt es im März und April immer wieder Nachtfröste.

Soll man bereits jetzt im April/Mai den Garten bewässern?

Katja: Der Boden z.B. im Gemüsebeet kann dann gut bearbeitet werden, wenn er feucht ist. Das gilt auch bei Niederschlägen. Wenn der Boden sehr ausgetrocknet ist, nimmt er den Regen sehr schlecht auf. Daher ist es ratsam, vor dem Bearbeiten des Gartens auf eine gute Feuchte zu achten. Man muss nun bereits früher bewässern, weil durch den frühen Frühling auch die Vegetation früher beginnt. Sträucher und Hecken wurzeln tief, diese muss man derzeit nicht bewässern. Aber im Gemüsebeet, wo ich es mit Jungpflanzen zu tun habe, da brauche ich einen gleichmäßig feuchten Boden.

Kann man das Gemüsebeet nun auch schon früher bepflanzen?

Katja: Durch die Nachtfröste, die es trotz warmer Temperaturen immer wieder gibt, rate ich davon ab. Lass die Tomatenpflänzchen noch im Topf und wartet bis nach den Eisheiligen. Wenn du nicht die Möglichkeit hast, im Topf vorzuziehen, dann kannst du auch mit Vlies oder in einem Frühbeet arbeiten, um die Jungpflanzen zu schützen.

Zum Gießen empfehle ich eine Gartenbrause mit Stiel, mit der du wurzelnah gießen kannst. So vermeidest du die Pflanzen zu übergießen, denn Salate und auch Tomaten mögen es nicht, wenn die Blätter ständig nass werden.

Soll man den Garten gießen bevor es regnet?

Katja: Ja, das stimmt. Wenn der Boden sehr trocken ist, kann er das Wasser sonst schlecht aufnehmen. Das gilt insbesondere, wenn der Garten eine Hanglage bzw. leicht abschüssig ist. Denn da fließt das Wasser ansonsten sehr schnell weg.

Welche Bewässerungssysteme eignen sich?

Katja: Das kommt darauf an, wo man bewässern möchte. In Beeten arbeite ich gerne mit einer Gartenbrause. Hier ist es auch möglich, mit Tropfschläuchen zu arbeiten. Den Rasen empfehle ich mit einem Rasensprenger zu gießen: einmal in der Woche, aber dafür richtig durchdringend. Wie lange der Rasen gegossen werden muss, kommt auf den Boden und den Grasbestand an. Man kann das mit dem Finger testen, wie weit die Feuchtigkeit in den Boden vorgedrungen ist. Ziel ist es, bis in die Tiefe Feuchtigkeit zu transportieren, nur die oberen 2 bis 3 Zentimeter bringt nicht sehr viel, da diese auch sehr schnell wieder austrocknen.

Sollte ich bei der Neugestaltung meines Gartens schon den Klimawandel berücksichtigen?

Katja: Ja, wenn du einen Garten neu anlegst, solltest du das unbedingt bedenken: standortgerechte Sorten und klimafitte Sorten sind hier die Stichpunkte. Wir schreiben gerade ein Buch zu diesem Thema: „Klimaanlage Naturgarten“, in dem wir vorstellen, welche Pflanzen sich eignen, welche klimafit sind, mit welcher Gartengestaltung ich dem Klimawandel begegnen kann. Generell gilt, dass es in trockenen Zeiten die Tiefwurzler leichter haben. Ein positives Beispiel ist hier der Wein: man muss ihn nur in den ersten 3-4 Jahren gießen, danach hält er selbst heißeste Sommer gut aus. Im Gemüsebeet sind das alle tiefwurzelnden Gemüse wie z.B. Kohlsprossen. Bei der Gartengestaltung sollte man auch bei den Hecken diejenigen wählen, die tiefwurzeln. Auch die Bodenqualität ist essenziell: humoser, lockerer, mit Regenwürmern durchzogener Boden hat es leichter, das Gleichgewicht zu wahren. Wenn der Boden eher zu Staunässe neigt wie z.B. bei Lehmböden, sollte man mit einer Mulchdecke arbeiten. Die Mulchdecke kann die Verdunstung und die aufprallende Sonne eindämmen.

Was sollten Balkongärtner bedenken?

Katja: Als Balkongärtner solltest du die Pflanzen mit einer guten Drainage versehen und die Töpfe so groß wie möglich wählen. Je größer der Topf, desto mehr Wasserspeicher steht zur Verfügung. Auch für den Balkon gibt es Bewässerungssysteme wie z.B mit Wasser gefüllte Glaskugeln, die das Wasser nach und nach an die Pflanze abgeben.

Am Balkon kann man bei der Pflanzenwahl nicht auf Tiefwurzler achten. Aber es gibt von Natur aus angepasste Pflanzen. Alle Pflanzen, die Wachsschichten haben, halten Trockenheit besser aus. Dazu zählen z.B. Hauswurz, Fetthenne, Wolfsmilchgewächse. Auch Pflanzen, die sehr behaart sind, sind trockenresistenter z.B. Wollziest. Pflanzen mit sehr feinen Blättern wie Winterjasmin eignen sich auch gut für den Balkon, da sie auch nicht so windanfällig sind.

Zur Beschattung eignen sich Rankpflanzen wie Blauregen, wilder Wein oder Mauerkatze bestens. Ein grüner Sonnenschutz macht ein besonders angenehmes Klima, es fühlt sich unter einem "grünen Dach" mitunter  10° kühler als unter einem Sonnenschirm an.

Wann erscheint das Buch „Klimaanlage Naturgarten“?

Katja: Das Buch von meiner Kollegin Margit Beneš-Oeller erscheint im Sommer. Aber es gibt auf unserer Website www.naturimgarten.at bereits jetzt viele Tipps und Ratgeber zum natürlichen Gärntern. Es gibt auch eine Vielzahl von Broschüren wie zum Beispiel "Gärtnern auf Balkon und Terrasse".

Wir stehen bei Fragen auch telefonisch zur Verfügung. Unser Gartentelefon hat die Nummer +43-(0)2742/ 74 333.

Vielen Dank, Katja, für das aufschlussreiche Interview.

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