Perspektivenwechsel - die Vorteile einer anderen Sichtweise

Neue Sichtweisen beim Perspektivenwechsel

unsplash/rawpixel

   

Was heißt eigentlich Perspektivenwechsel und warum sollte ich überhaupt ab und zu mal die Perspektive wechseln?

Unter einer Perspektive versteht man zunächst einmal den eigenen Standpunkt, aus dem ich etwas sehe und wie ich etwas sehe. Und hier ist wichtig, der ist immer erstmal subjektiv. Also wie sehe ich gerade eine bestimmte Situation oder wie empfinde ich gerade ein Gespräch.

Wie kommt meine „Perspektive“ zustande?

Woran mache ich etwas fest oder beurteile eine Situation oder ein Gespräch? D.h. wie kommt es dazu, dass ich ein Gespräch zum Beispiel positiv oder negativ bewerte?

Im Laufe der Jahre haben wir alle unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Das beginnt damit: Was passiert, wenn ich als Baby schreie? Welche Situationen habe ich mit meinen Eltern, in der Familie, im Kindergarten, in der Schule und in der Ausbildung oder im Beruf erlebt? Wie wurden meine Bedürfnisse gestillt und welche Verhaltensweisen habe ich mir dadurch angeeignet? Jeder Mensch hat unterschiedliche Bedürfnisse und Verhaltensweisen oder Sichtweisen.

All das ergibt ein Bild an Erfahrungen, das ich abgespeichert habe und abrufe, wenn eine „ähnliche“ Situation auftritt. D.h. anhand der Erfahrungen und meiner persönlichen Bedürfnisse, die ich bisher subjektiv positiv oder negativ gemacht habe, sagt mein Gehirn/Verstand mir, wie ich etwas „einzuordnen habe“.

Problemlösung durch Perspektivenwechsel

Problemlösung durch Perspektivenwechsel

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Aus meiner Perspektive sehe ich die Welt und kann nicht verstehen, warum die Welt für andere anders aussehen könnte.

Daher kommt dann auch der Satz: „Das sehe ich aber völlig anders als du“. Die Folge sind häufig Missverständnisse, Konflikte und Enttäuschungen mit unseren Freunden und Mitmenschen.

Bei einem Perspektivenwechsel besteht die Kunst darin, sich eine Situation oder ein Gespräch aus einer anderen Perspektive anzuschauen. Also ohne den Filter der bisherigen persönlichen Erfahrungen. Ohne den Filter der persönlichen Bedürfnisse. Dafür benötige ich das Verständnis, dass unsere individuellen Bedürfnisse mit unseren Sichtweisen ein bestimmtes Verhalten auslösen. Dies hat wiederum bestimmte Ergebnisse.

Bin ich mit diesen Ergebnissen nicht zufrieden, z.B. weil es immer wieder zu Konflikten kommt, ist es wichtig, dies zu erkennen und zu verstehen. Dadurch kann ich die Sichtweise ändern und dadurch dann auch das Verhalten. Das ist aber häufig leichter gesagt als getan, da unsere Sichtweisen, wie ja schon beschrieben, aufgrund langjähriger Erfahrung gefestigt wurde.

Gerade wir Frauen neigen dazu „unser Licht unter den Scheffel zu stellen“. Nicht umsonst hab ich den Spruch „Stellen Sie Ihr Licht auf den Scheffel“ auf meinem Flyer. Es ist doch selbstverständlich noch einzukaufen, Kinder abzuholen, die Wäsche zu waschen etc. und das alles „nebenbei“. Auch hier tut ein Perspektivenwechsel gut, um die eigene Leistung wertzuschätzen, wenn es schon kein anderer tut. Allerdings sehen viele... Männer... das auch häufig gar nicht. Es ist ja „selbstverständlich“, dass die Wäsche sauber und im Zweifel sogar gebügelt wieder im Schrank hängt oder liegt. Also liebe Damen, auch hier mal auf die eigene Schulter klopfen und aus der Vogelperspektive sehen, was wir alles geleistet haben.

Ein Beispiel um den Perspektivenwechsel auszuprobieren:

Stell dir eine Situation vor, in der es einen Konflikt im Gespräch gab. Schildere die Situation, vielleicht schreibe deine Sichtweise auf. Jetzt machst du einen Rollentausch. Du setzt dich auf den Stuhl deines Gesprächpartners und sprichst jetzt vollkommen aus seiner/ihrer Sicht. D.h. du lässt deine Gefühle, deine Sichtweisen vollkommen außen vor und siehst beim Reden „durch die Augen“ deines Gesprächspartners und fühlst dich in seine/ihre Position ein.

Häufig reicht diese kleine Übung schon, um festzustellen: "Ist ja unglaublich, jetzt weiß ich, warum der Gesprächpartner so reagiert hat." Dazu ist es aber wirklich wichtig, physisch den Platz einzunehmen, denn häufig sagen wir, ja klar, ich hab mich in seine/ihre Situation hineinversetzt... gedanklich... das reicht für das Fühlen aber nicht aus und der „Aha-Effekt“ kommt meistens erst im Platztausch.

Wie kann ich noch einen Perspektivenwechsel vornehmen? Stell dir vor, du bist im Urlaub und wohnst im Tal, allein die Wanderung auf den Berg hat wahrscheinlich – gleiche Umgebung – einen ganz anderen Blickwinkel eröffnet.

Perspektivenwechsel: Selbstbild und Fremdbild.

Wie sehe ich mich und wie sehen andere mich? Stimmt die Wahrnehmung/Einschätzung überein oder fällt das komplett auseinander?
Das kann man sehr gut z.B. bei Führungskräftebefragungen sehen. Viele Führungskräfte finden sich fair, aufmerksam, wertschätzend etc, wenn man die Mitarbeiter befragt, entsteht ein komplett anderes Bild.

Wie kannst du das für dich nutzen?

Frag doch mal deine Freunde, Familie oder KollegInnen, was sie an dir schätzen oder – wenn du mutig bist, was sie sich an Veränderung bei dir wünschen.

Du wirst überrascht sein, welche Ergebnisse du aus diesen Gesprächen mitnehmen kannst. Gerade z.B. wenn du auf der Suche nach einem neuen Job bist, finde ich das extrem wichtig, um sich an seinen Stärken zu orientieren. Vorausgesetzt, du machst das, was du gut machst auch gerne. Das ist nicht immer deckungsgleich.

Unter diesem LINK kannst du dir eine Tabelle runterladen und deine Mitmenschen bitten, dich einzuschätzen. Wichtig, es ist ein Feedback und es geht nicht darum dein Verhalten zu diskutieren. Frage nur nach, wenn du etwas nicht verstehst oder wenn du genauer erfahren möchtest, anhand welcher Situationen oder Verhaltensweisen dein Gesprächspartner etwas beurteilt hat. Lass dich nicht auf Diskussionen ein. Es gibt hier kein Richtig und kein Falsch, da die Person es auch wieder absolut subjektiv durch die eigene Brille sieht. D.h. auch das ist nicht „die Wahrheit“, sondern anhand der Erfahrungen, Bedürfnissen und Sichtweisen des Gesprächspartners seine/ihre „subjektive Wahrheit“.

Wenn du es aber schaffst, aus unterschiedlichen Blickwinkeln Situationen anzuschauen und zu beurteilen, wirst du feststellen, es ist spannend, wie andere Menschen ihre Welt sehen und es ist durchaus eine Horizonterweiterung auch mal „anders zu denken“ und seine eigenen eingetreten Wege zu verlassen, um Sichtweisen zu überprüfen und evtl. festzustellen: Es kann auch anders und evtl. einfacher gehen als bisher.

In diesem Sinne viel Erfolg beim Perspektivenwechsel!

Tanja Hartmann-Hurtzig

Tanja Hartmann-Hurtzig

Über die Autorin

Tanja Herrmann-Hurtzig ist seit 20 Jahren im Personalbereich tätig, die letzen Jahre als Personalleiterin. Mit ihrer Erfahrung u.a. bei SAT.1, YSL (YvesSaintLaurent) Beauté und René Lezard hat sie nun die Seiten gewechselt und unterstützt als Karrierecoach Menschen bei der Neuorientierung, in der Bewerbungsphase und bei ihrer Karriereentwicklung. Sie kennt die Herausforderungen im Business-Umfeld sowohl als Führungskraft als auch als Mutter von zwei Kindern. www.herrmann-hurtzig.de

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