Wiedereinstieg in Teilzeit planen

Welches Arbeitszeitmodell passt zu mir?

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Mit wie vielen Stunden steige ich wieder ein? Wie verteile ich meine Arbeitszeit?

Viele Eltern nutzen die Elternzeit und den Elterngeldbezug, wenn ein Kind kommt. Eine berufliche Pause. Spätestens am Ende der Elternzeit stellt sich die Frage: wie viele Stunden gehe ich wieder arbeiten? Und wie verteile ich die Anzahl dieser Stunden?

Hier gibt es keine Ideallösung und auch kein allgemeingültiges Rezept – wie immer. Was es gibt, sind Ideen und Gedanken. Sowie einige Erfahrungswerte anderer Mütter.

Meistens entscheiden sich die Mütter für eine Teilzeit

Am häufigsten entscheiden sich die Mamas, in Teilzeit wieder zu kehren. Die Väter bleiben meist in Vollzeit. Das hat verschiedene Gründe. Oft verdient der Mann mehr. Manchmal fühlen sich die Frauen primär für die Kinder zuständig. Vermutlich sind wir alle geprägt von unseren eigenen Eltern und wie diese Familie und Beruf gelebt haben.

Wie viele Stunden sind optimal?

Bei der Beantwortung dieser Fragen spielen mehrere Faktoren eine Rolle:

  • die Finanzen
  • die Rahmenbedingungen der Arbeitgeber (Arbeitszeiten, Gleitzeitmöglichkeit, Homeoffice Möglichkeiten, etc.)
  • die Fahrzeiten zum Arbeitgeber und ggf. zum Betreuungsort des Kindes/der Kinder
  • die Betreuungssituation des Kindes/der Kinder
  • die inhaltlichen Aufgaben des Arbeitsplatzes/Anforderungen der Stelle
  • das Teilzeit-Angebot des Arbeitgebers
  • die Vorstellungen der Mutter und die des Vaters

Einmal durchrechnen: was wäre möglich?

Wie viel Einkommen ist wünschenswert? Mit welchem Betrag wärst du zufrieden? Was ist das Minium, was deine Familie braucht? Mit diesen drei Werten kannst du rechnen. Online gibt es Gehaltsrechner. Spiele durch, wie viel Geld bei welcher Stundenanzahl rauskommen würde. Probiere aus, was eine Steuerklassenänderung bringen würde. Schau, welche Möglichkeiten sich hieraus ergeben. Und prüfe zusammen mit dem Vater, was ihr euch vorstellen könnt.

Welche Rahmenbedingungen hast du?

Welche Möglichkeiten der Kinderbetreuung habt ihr als Familie? An welchen Tagen, zu welchen Uhrzeiten? Wie viel Zeit braucht ihr, um hin- und her zu fahren? Welche Möglichkeiten bietet dir dein Arbeitgeber? Sind Teilzeit-Arbeitsplätze an der Tagesordnung? Prüfe, welche Rahmenbedingungen statisch sind und welche beweglich.

Welche Zeitaufteilung ist deiner beruflichen Tätigkeit dienlich?

Welche Arbeitszeitverteilung passt am besten zu den Inhalten deiner Arbeit? Wäre es hilfreich, wenn du täglich für kurze Zeit da bist? Zum Beispiel, um das schnelllebige Tagesgeschäft mit abzudecken. Oder hast du Aufgaben, die nicht in drei bis vier Stunden am Tag abzuarbeiten wären und es wäre dienlich, wenn du volle Tage vor Ort bist?

Halbe oder ganze Tage?

Oft ergibt sich die Antwort anhand deiner Tätigkeit. Nicht alle Tätigkeiten lassen sich auf halbe Tage aufteilen. Viele Mütter*, die im Vertrieb arbeiten oder als Seminarleiterin unterwegs sind, berichten davon, dass volle Tage nötig sind. Auch in Berufen mit Schichtsystemen arbeiten die Teilzeitkräfte meist ganze Tage (also ganze Schichten). In anderen Jobs ist es kaum möglich, mal einen Tag nicht da zu sein. So berichten Mamas im Coaching, die z.B. in der Logistik täglich für den Kunden erreichbar sein müssen/wollen.

Wenn du eine Tätigkeit hast, bei der es egal ist, ob du halbe oder ganze Tage arbeitest, ist es Geschmackssache. Einige finden es toll, jeden Tag den gleichen Ablauf zu haben. So gehen sie jeden morgen arbeiten und ab mittags ist Familie an erster Stelle. Andere genießen es, sich nicht jeden Tag aufteilen zu müssen.

Pro und Contra halbe Arbeitstage

Vorteile: Du bist jeden Tag da. Sowohl zu Hause bei den Kindern. Als auch auf der Arbeit. Du verpasst keine Geburtstage der Kollegen, bekommst das Tagegeschäft mit und kannst jeden Tag reagieren, wenn mal beruflich schnell etwas erledigt werden muss. Auch arbeitet der Mensch effektiver pro Stunde, wenn wir nicht mehr als vier Stunden am Stück arbeiten. Ein weiterer Vorteil ist, wenn du jeden Tag die gleichen Arbeitszeiten hast. So kommt deine Familie schnell in eine Routine.

Nachteile: Du fährst jeden Tag. Wenn dein Arbeitsweg etwas länger ist, kommt viel Fahrzeit zusammen. Du brauchst jeden Tag eine Kinderbetreuung und kannst nicht einfach mal an einem Wochentag, dein Kind zu Hause behalten. Termine wie Friseur und Arztbesuche musst du immer auf die andere Hälfte des Arbeitstages legen. Wenn ein Elternteil zu Hause bleiben muss, weil ein Kind krank ist, muss sich immer einer beim Arbeitgeber abmelden (vorausgesetzt beide Elternteile arbeiten jeden Wochentag).

Pro und contra ganze Arbeitstage

Vorteile: Du bist einen Tag primär in deiner Mutterolle und einen anderen Tag primär in der Arbeitnehmerinnenrolle. Der gedankliche Switch ist so meist einfacher. Auch kannst du Tätigkeiten entspannter angehen, da deine Zeitspanne größer ist. Du hast den Fahrweg zur Arbeit an weniger Tagen und sparst Fahrzeit- und kosten. Du hast automatisch Tage in der Woche frei. Hier kannst du Termine setzen, ohne es mit Arbeitsterminen abzugleichen. Wenn der Vater auch in Teilzeit arbeitet und dies versetzt tut, könnt ihr Ferienzeiten entspannter abdecken.

Nachteile: Du bist nicht immer da. Du verpasst Dinge auf der Arbeit. Und du verpasst Erlebnisse mit deinen Kindern. Kinderturnen wird auf einen deiner vollen Arbeitstage verlegt? Dann geht wohl ab jetzt die Oma mit deinem Kind dort hin. Wenn im Job Anfragen reinkommen und du checkst ein paar Tage deine Mails nicht, da du nicht da bist, kann das zu Stress und unzufriedenen Kunden führen.

Welche Vorstellungen hast du? Welche der Vater?

Wie hast du dir deinen Wiedereinstieg vorgestellt? Welche Bilder hat der Vater im Kopf? Gleicht eure Ideen und Gedanken ab. Seid offen für neue Impulse. Oft hilft es, einmal seine ersten Ideen loszulassen. Gedankliche verrückte Konstellationen zu durchdenken. Automatisch wird dein Geist offener für Neues. Danach kannst du bewusste Entscheidungen treffen.

Am Ende: entscheiden und ausprobieren

Es gibt kein Richtig oder Falsch. Im Kopf können wir uns viele Konstellationen überlegen. Steige mit der Anzahl der Stunden ein, so dass deine Familie finanziell auskommt. Entscheidet, ob beide Elternteile Teilzeit arbeiten. So entsteht kein finanzieller Druck. Und du kannst später immer noch Stunden aufstocken oder minimieren – vorausgesetzt dies ist in deiner Anstellung möglich.

Probiere aus, welche Arbeitszeitenverteilung für euch passen. Wenn die Arbeitgeber flexibel sind, probiert es aus. Starte mit der Konstellation, die dir bzw. euch rein rational und argumentativ am sinnvollsten erscheint.

Justiere nach, wenn es nicht passt. Zufriedenheit mit Vereinbarkeit von Familie und Beruf lässt sich nicht theoretisch planen. Du und deine Familie müsst es ausprobieren. Daher ist ein guter Plan und eine passende Arbeitszeitverteilung nur die halbe Miete. Wichtig ist, dass ihr reflektiert und euch den Lebensphasen anpassen könnt.

Du kannst diesen Beitrag auch im Podcast nachhören: www.carolinhabekost.de/085

*sicherlich gilt das gleiche auch für Väter. Ich spreche hier gezielt die Mütter an, weil ich in meinen Coachings mit Mamas arbeite und die genannten Beispiele von Mamas kamen.

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